Prof. Dr. med. T. Lüscher
Facharzt Kardiologie
Wie sich Prävention in den dichten Praxisalltag integrieren lässt – ohne Mehraufwand, aber mit Wirkung.
Prävention im vollen Praxisalltag – wie geht das überhaupt?
Es muss niederschwellig sein. Ich warte nicht auf den perfekten Vorsorgetermin, sondern nutze die Konsultationen, die ohnehin stattfinden. Ein Blutdruck ist schnell gemessen, ein Wert schnell besprochen. Prävention ist selten ein grosser Moment – sie ist die Summe vieler kleiner Gespräche.
Viele Menschen kommen mit Ängsten aus dem Internet. Wie reagieren Sie?
Ich nehme die Angst ernst und gebe ihr einen Rahmen. Wenn jemand online gelesen hat, ein bestimmtes Symptom bedeute das Schlimmste, dann ist meine Aufgabe, Wahrscheinlichkeiten einzuordnen. Online gelesen ist eben nicht medizinisch geprüft – und dieser Unterschied entlastet die meisten Menschen spürbar.
«Prävention ist selten ein grosser Moment. Sie ist die Summe vieler kleiner Gespräche.»
Welcher der vier Werte wird am meisten unterschätzt?
Der Blutzucker. Eine beginnende Insulinresistenz tut nicht weh und macht keine Symptome, die man googeln würde. Gerade deshalb ist die aktive Ansprache in der Praxis so wichtig. Niemand sucht online nach etwas, das er nicht spürt.
Was wünschen Sie sich von der Kampagne?
Dass sie Kolleginnen und Kollegen den Rücken stärkt. Wir sind die erste Anlaufstelle, und das ist ein Privileg. Wenn die Kampagne dazu beiträgt, dass wir dieses Vertrauen selbstbewusst nutzen, hat sie ihr Ziel erreicht.