Prof. Dr. med. I. Sudano
Fachärztin Kardiologie
Ein Blick auf die Evidenz: Was Prävention auf Bevölkerungsebene wirklich bewirken kann.
Sie nennen die Zahl von 70 Prozent vermeidbaren Ereignissen. Wie ist sie zu verstehen?
Sie beschreibt das Potenzial, das in den beeinflussbaren Risikofaktoren liegt. Wenn Cholesterin, Blutdruck, Gewicht und Blutzucker früh erkannt und gut behandelt werden, lässt sich ein grosser Teil der kardiovaskulären Ereignisse verschieben oder verhindern. Es ist ein Potenzial, kein Automatismus – und es wird in der Hausarztpraxis eingelöst.
Welche Rolle spielt Fehlinformation aus dem Internet auf Bevölkerungsebene?
Eine wachsende. Das Problem ist nicht der Zugang zu Information, sondern die fehlende Filterung. Menschen treffen Gesundheitsentscheidungen auf Basis von Inhalten, die niemand medizinisch geprüft hat. Die Hausarztpraxis ist das Korrektiv, das wir gesellschaftlich brauchen.
«Das Problem ist nicht der Zugang zu Information, sondern die fehlende Filterung.»
Was macht Prävention messbar erfolgreich?
Kontinuität und Beziehung. Einmalige Kampagnen verpuffen, wenn sie nicht in eine vertrauensvolle Begleitung münden. Genau das leisten Hausärztinnen und Hausärzte: Sie sehen dieselben Menschen über Jahre und können Veränderungen früh erkennen.
Was sollte die Kampagne erreichen?
Sie sollte das Selbstverständnis stärken, dass medizinische Einordnung ein Wert an sich ist. In einer Welt der sofortigen Antworten ist die geprüfte, persönliche Diagnose das knappe Gut. Darauf dürfen wir stolz sein.