Prof. Dr. med. T. Rosemann
Facharzt Allgemeine Innere Medizin
Warum Ernährungsberatung und Hausarztmedizin in der Herzprävention zusammengehören.
Gewicht ist für viele ein heikles Thema. Wie sprechen Sie es an?
Mit Respekt und ohne Schuldzuweisung. Sobald sich jemand bewertet fühlt, ist das Gespräch beendet. Ich frage nach dem Alltag, nicht nach Disziplin. Bauchumfang und Gewicht sind medizinische Werte – aber dahinter steht immer ein Mensch mit einer Geschichte.
Im Netz kursieren unzählige Diäten. Was richtet das an?
Es erzeugt enormen Druck und oft das Gegenteil von Gesundheit. Online finden sich zwanzig widersprüchliche Empfehlungen in Sekunden. Was fehlt, ist die individuelle Einordnung. Ich übersetze die allgemeine Information in einen Plan, der zum konkreten Leben passt.
«Online finden sich zwanzig widersprüchliche Empfehlungen in Sekunden. Was fehlt, ist die Einordnung.»
Wie hängen Ernährung und die anderen drei Werte zusammen?
Sehr eng. Eine Ernährungsumstellung wirkt gleichzeitig auf Cholesterin, Blutzucker und oft auch auf den Blutdruck. Das ist die gute Nachricht: Man muss nicht an vier Stellschrauben einzeln drehen. Kleine, nachhaltige Änderungen verbessern mehrere Werte gleichzeitig.
Ihr Appell an die Hausarztpraxen?
Verweisen Sie früh und überweisen Sie partnerschaftlich. Wir arbeiten nicht nacheinander, sondern zusammen. Je früher Ernährungsberatung Teil des Plans wird, desto grösser ist der präventive Hebel.