Prof. Dr. med. N. Peters
Leiter des Zentrums für Schlaganfälle an der Klinik Hirslanden und Facharzt für Neurologie FMH
Über den Zusammenhang von Bluthochdruck und Hirnschlag – und warum Prävention in der Grundversorgung beginnt.
Sie behandeln Menschen nach einem Hirnschlag. Wie oft wäre er vermeidbar gewesen?
Häufiger, als man denkt. Bluthochdruck ist der wichtigste einzelne Risikofaktor für den Hirnschlag – und er bleibt oft jahrelang unentdeckt, weil er keine Beschwerden macht. Wenn ich Patientinnen und Patienten auf der Stroke Unit sehe, ist das Ereignis bereits eingetreten. Die eigentliche Prävention findet viel früher statt, in der Hausarztpraxis.
Warum wird Bluthochdruck so oft unterschätzt?
Weil er nicht weh tut. Menschen googeln Symptome – aber hoher Blutdruck verursacht keine, die man suchen würde. Genau deshalb ist die aktive Messung so entscheidend. Was man nicht spürt, sucht man auch nicht im Internet. Die Verantwortung liegt deshalb bei uns Fachpersonen, das Thema anzusprechen.
«Was man nicht spürt, sucht man auch nicht im Internet. Hoher Blutdruck wird darum oft erst nach dem Ereignis erkannt.»
Welche Rolle spielt die Online-Recherche bei Ihren Patientinnen und Patienten?
Eine zwiespältige. Nach einem Ereignis recherchieren viele intensiv und stossen auf widersprüchliche Informationen, die verunsichern. Online gelesen ist eben nicht medizinisch geprüft. Meine Aufgabe ist es, die Flut an Informationen auf die konkrete Situation dieses einen Menschen herunterzubrechen.
Was wünschen Sie sich von der Hausarztmedizin?
Dass der Blutdruck konsequent gemessen und eingeordnet wird – auch bei scheinbar gesunden Menschen. Jede gut behandelte Hypertonie ist ein potenziell verhinderter Hirnschlag. Diese Verbindung ist in der täglichen Praxis nicht immer präsent, und genau hier kann die Kampagne sensibilisieren.
Ihr Appell in einem Satz?
Messen Sie den Blutdruck, sprechen Sie ihn an und behandeln Sie ihn konsequent – es ist eine der wirksamsten neurologischen Präventionen, die es gibt.