Dr. med. Christian Gall
Facharzt Allgemeine Innere Medizin
Über die Kunst des Patientengesprächs und wie aus Verunsicherung Vertrauen wird.
Was macht ein gutes Präventionsgespräch aus?
Es beginnt mit einer offenen Frage und endet mit einem konkreten nächsten Schritt. Dazwischen liegt vor allem Zuhören. Menschen wissen oft selbst, wo ihre Themen liegen – sie brauchen einen Rahmen, um darüber zu sprechen, und jemanden, der die Information einordnet.
Wie geht man mit Online-Diagnosen um, ohne den Menschen vor den Kopf zu stossen?
Indem man die Recherche würdigt. Ich sage oft: ‹Schön, dass Sie sich damit beschäftigt haben.› Und dann ergänze ich, was die Suchmaschine nicht leisten kann – nämlich diese Werte auf genau diesen Menschen zu beziehen. Wertschätzung und fachliche Einordnung schliessen sich nicht aus.
«Schön, dass Sie sich damit beschäftigt haben – und jetzt schauen wir, was diese Werte für Sie bedeuten.»
Viele Ärztinnen und Ärzte sagen, die Zeit fehle. Ihre Antwort?
Gute Kommunikation spart Zeit, sie kostet sie nicht. Ein klar geführtes Gespräch verhindert Rückfragen, Unsicherheit und unnötige Folgetermine. Drei fokussierte Minuten sind wirksamer als zehn ungeordnete.
Ihr wichtigster Tipp für die vier Werte?
Verbinden Sie jede Zahl mit einer Bedeutung und einem Angebot. Nicht ‹Ihr Blutdruck ist zu hoch›, sondern ‹dieser Wert lässt sich gut beeinflussen, und so gehen wir es an›. Aus einer Diagnose wird so ein gemeinsamer Plan.